Verwaltungssprache in Behörden-Bürger-Interaktionen

Projektbeschreibung

Ziele und zentrale Fragestellungen

Im Zentrum des Projekts steht die systematische Erforschung der direkten Kommunikation zwischen Behörden und Bürger:innen. Dabei sollen zwei Fragen bearbeitet werden: Welchen Einfluss hat die Ausgestaltung von Verwaltungssprache auf die Zufriedenheit von Bürger:innen mit öffentlichen Leistungen? Und in welchem Verhältnis stehen die linguistischen Eigenarten der Interaktion zwischen Verwaltungsmitarbeiter:innen und Bürger:innen mit der ungleichen Behandlung verschiedener gesellschaftlicher Gruppen?

Hintergrund

Öffentliche Leistungen spielen bei der Befriedigung sozialer Bedürfnisse eine Schlüsselrolle, wobei die Rolle von Verwaltungsmitarbeiter:innen zentral ist, da diese durch weitreichende Ermessensspielräume aktiv an der konkreten Ausgestaltung der Leistungen mitwirken. Durch sie wird ein "virtuelles Einkommen" generiert, durch das die ungleiche Verteilung gesellschaftlich relevanter Ressourcen teilweise aufgefangen werden kann. Bisherige Arbeiten haben die Diskriminierung benachteiligter gesellschaftlicher Gruppen bei öffentlichen Leistungen vielfach dokumentiert. Über die Ursachen ungleicher Leistungsgewährung ist jedoch wenig bekannt. Direkte Interaktionen zwischen Bürger:innen und Behörden sind dabei von zentraler Bedeutung. Insbesondere die Rolle von Sprache hat dabei bisher noch keine Beachtung gefunden, obgleich sie bei der Manifestation von sozialen Hierarchien und Machtverhältnissen in Interaktionen eine zentrale Rolle spielt.

Methoden

Das Projekt definiert im ersten Schritt eine Taxonomie von gesprochener Verwaltungssprache mittels explorativer Experteninterviews mit Behördenmitarbeiter:innen. Hierfür werden zufällig Städte und Kommunen sowie Dienstleistungsbereiche ausgewählt und die entsprechenden Verwaltungsstellen kontaktiert. Langfristig dienen diese Vorarbeiten der Entwicklung eines Verfahrens, um in zukünftigen Projekten die direkte Kommunikation zwischen Behördenmitarbeiter:innen und Klient:innen aufzeichnen und analysieren zu können.

 

Beteiligte Fachrichtungen

Linguistik, Computerlinguistik, Verwaltungswissenschaft, Politikwissenschaft

Aktiv seit

01. Mai 2020

Projektpartner

Stadt Konstanz

Stadt Rottweil

Stadt Gießen

Jobcenter Landkreis Recklinghausen

Jobcenter Landkreis Mayen-Koblenz

Bürgerservicebüro Stadt Aschaffenburg

Literatur

Vorarbeiten

Eckhard, S., Lenz, A., Seibel, W., Roth, F., & Fatke, M. (2020). Latent Hybridity in Administrative Crisis Management: The German Refugee Crisis of 2015/16. Journal of Public Administration Research and Theory, online first: doi:10.1093/jopart/muaa039

Eckhard, S. (2020). Bridging the citizen gap: Bureaucratic representation and knowledge linkage in (international) public administration. Governance, online first. doi:doi:10.1111/gove.12494

Hautli-Janisz, A., & Butt, M. (2016). On the role of discourse particles for mining arguments in German dialogs. In Proceedings of the COMMA 2016 workshop 'Foundations of the Language of Argumentation', (pp. 10-17).

Hautli-Janisz, A., & El-Assady, M. (2017). Rhetorical strategies in German argumentative dialogs. Argument & Computation, 8(2), 153-174